Mittwoch, 7. Juni 2017

DAS RIF, REGION ALLER WIDERSTÄNDE, VON GESTERN BIS HEUTE!




DAS RIF, REGION ALLER WIDERSTÄNDE, VON GESTERN BIS HEUTE!

Wir (Dem Volke Dienen) dokumentieren hier eine inoffizielle Übersetzung einer Erklärung von Muntasser Elkhatabi


DAS RIF, REGION ALLER WIDERSTÄNDE, VON GESTERN BIS HEUTE!

Die Kämpfe die die Volksmassen des Rif für mehr als sieben Monate geführt haben können nicht in ihrem politischen Wert begriffen werden, wenn man den historischen Kontext in dem sie stattfinden nicht in Betracht zieht. Die Geschichte dieser Region wurde immer aus Widerstand und Kampf gebildet, und dies für mehrere Jahrzehnte. Wir werden nicht alle Etappen des Kampfes dieses heldenhaften Volkes eingehen, sondern uns auf die Periode des Aufkommens des Widerstandes gegen Kolonialismus und die reaktionäre marokkanische Macht konzentrieren.

DER RIFKRIEG, DE RIFREVOLUTION, von 1917 bis 1926

Diese Revolution entwickelte sich in mehr als acht Jahren, beständig und unter der Führung des wackeren Abdelkarim ELKHATABI. In dieser Periode engagierte sich der Rifwiderstand in einem langandauernden Volkskrieg gegen den spanischen Kolonialismus, der unvorhergesehene Schläge versetzte indem er mehrere Schlüsselschlachten wie die von Adahrane, Oubrane, Sidi-Brahim und Anoual gewann. Dieser letzte Kampf, dem berühmtesten und glorreichsten, war der Ausdruck einer wahrhaftigen Volksrevolution in der alle Schichten des Volks der Rif teilnahmen, nicht nur darin ihre politische, ökonomische und sozialen Interessen zu verteidigen sondern auch in einer klaren Perspektive nationaler Befreiung – alles animiert von einem befreienden Geist für alle Völker der Region vom Joch des Kolonialismus und seiner lokalen Diener.

In dieser Revolution wurde Abdelkarim ELKHATABI für alle Marokkaner ohne Ausnahme ein wahrer Held und nationaler Widerstandskämpfer. Die Militärtaktiken die er wählte um den Feind anzugreifen wurden eine Militärtaktik die von einer Zahl wichtiger Führer und Widerstandskämpfer  der Bewegung der nationalen und revolutionären Befreiung auf der ganzen Welt in ihrem Kampf gegen den Kolonialismus und Imperialismus aufgenommen wurde, wie es der Fall war bei MAO TSE-TUNG, CHE GUEVARA und HO CHI MIN.

Was war es dann? Mehrere imperialistische Kräfte – Frankreich, Spanien und Deutschland – alle miteinander verbündet, mit der Unterstützung des royalistischen Marionettenregimes, griffen die Rifrevolution an um allen Widerstandsformen ein Ende zu setzen die dort auftraten. Der Rifwiderstand wurde dann besiegt und dazu schreckte der spanische Kolonialismus nicht davor zurück, chemische Waffen einzusetzen – in Zusammenarbeit mit Deutschland – um diese Revolutionäre auszulöschen. Noch heute leiden viele Menschen in dieser Region an Hautkrankheiten, Krebs oder anderen Krankheiten, die direkt auf den Einsatz von den Gasen in dieser Zeit zurückgeführt werden können.

Dieser Widerstand hat aber niemals aufgehört, sowohl vor als auch nach der formalen Unabhängigkeit.


DIE RIFAUFSTÄNDE zwischen den Jahren 1958-1959

Sofort nach der formalen Unabhängigkeit, und sogar innerhalb der Nationalen Befreiungsarmee, widerstanden die Volksmassen der Rif weiter indem sie die Wichtigkeit, den bewaffneten Kampf bis zur vollständigen Unabhängigkeit weiterzuführen, alle Kolonialmächte und ihre Lakaien vor Ort aus dem Land zu jagen.

Zur gleichen Zeit hat sich das Leben im Rif, nach der formalen Unabhängigkeit, nicht verändert, da die Politik, alle Rifkabylen von allen Staatsämtern auszuschließen weitergegangen ist, die Fortführung der Politik der Marginalisierung, die methodische und systematische Verarmung der Region und der Verbot jeder Form des lokalen kulturellen Ausdrucks.

Am 17. Oktober 1958 wurden neue Aufstände initiiert, die am 13. März 1959 endeten. Diese, auf über 165 Tage verteilt, basierten auf einem klaren Programm von Forderungen mit mehr als 18 Punkten, darunter:

dass alle Kolonialmächte vom nationalen Territorium verbannt werden
dass eine Volksregierung eingerichtet wird
Rekrutierung von Rifkabylen in den Staatsapparat erlauben und durchführen
dass alle politischen Gefangenen entlassen werden
die Rückkehr von Abdelkarim ELKATABI nach Marokko (nach der Niederlage der Rifrevolution wurde er nach Ägypten ins Exil geschickt)

Zusätzlich zu dieser Liste gab es viele andere soziale und kulturelle Forderungen, die alle von der Regierung unberührt blieben, die anstatt diese gerechten und legitimen Forderungen des Volks der Rif zu befriedigen entschied mehr als 20.000 Soldaten in die Region zu schicken, mit beachtlicher Ausrüstung ausgestattet, unter der direkten Führung von Hassan dem 2., damals Kronprinz, und dem blutdürstigen General Oufkir.

Im Februar 1969 bombardierten und zerstörten Flugzeuge, die von französischen Piloten gesteuert wurden, ganze Dörfer und Weiler der Rif. Zur gleichen Zeit umzingelten die Militärkräfte die gesamte Region und führten die schändlichsten Verbrechen durch (Vergewaltigung, Mord, Festnamen, systematische Zerstörung von Eigentum und Häusern), was zu hunderten Toten, tausenden Verletzten, tausenden von Gefangenen und erzwungen Exilanten führte.

Diese Aufstände, geführt von den Erben Abdelkarim ELKHATABIs, waren in der Kontinuität der Rifrevolution und dem Programm der nationalen Befreiung, dem Ziel die Isolation und ökonomische und politische Marginalisierung der Region zu durchbrechen und die Anerkennung der lokalen Sprache und Kultur durchzusetzen.


DER VOLKSAUFSTAND vom Januar 1984

Im Januar 1984 stellten sich die Volksmassen der Rif erneut dem erbitterten reaktionären Regime und seiner geplanten unrechtmäßigen Politiken gegen seine Söhne und die Region. Zu der Zeit wurden in allen Regionen des Rif und in allen Gesellschaftsschichten Demonstrationen durchgeführt, und wie üblich unterdrückte die Regierung sie mit militärischer Gewalt (durch Panzer, Helikopter, Fallschirmjäger). Die Bevölkerung des Rif wurde auch bombardiert, was zu mehr als 400 Toten, hunderten Verletzten und Massenfestnahmen führte. Eine Ausgangssperre in der ganzen Region wurde auch für eine lange Zeit angeordnet.

Zuletzt nahmen die Rifkabylen aktiv an der Bewegung des 20. Februar 2011 teil und zahlten wieder einen hohen Preis, als fünf junge Demonstranten aus der Region lebendig verbrannt wurden. Diese die sie ermordeten, wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.


DIE LETZTEN EREIGNISSE IM RIF vom 28. Oktober 2016 bis Mai 2017

Am 28. Oktober  wurde der jugendliche Mohsen FIKRI brutal ermordet als er von einem Müllaster zerquetscht wurde, weil er Müll gesammelt hatte nachdem die Behörden alle Angelausrüstung dieses jungen Wanderhändlers beschlagnahmten. Dieser schamlosen Ermordung folgten mehrere tausend Bewohner der Stadt Hoceima die gegen den Mord an diesem Jugendlichen protestieren. Und weil die Strafen für die Ausübenden dieses Verbrechens skandalös niedrig waren, breiteten sich die Proteste auf alle Regionen des Rif aus, wurde mehr und mehr strukturiert um schlussendlich einen andauernden Charakter zu bekommen, und ein notwendiges klare Programm bildete.

Die ökonomischen und sozialen Bedingungen die die wahren Ursachen des Ausbruchs der Rifrevolution und der Volkserhebungen von 58, 84 und 2011 waren sind heute dieselben, und wie damals bleiben sie ein fruchtbarer Boden für den Aufstand und seine Entwicklung. Was sind diese Bedingungen? Lasst sie uns kurz auflisten.

Die Rifregion ist heute bekannt für:
die höchste Arbeitslosenquote im Land und im besonderen die Jugendarbeitslosigkeit
das absolute Fehlen jeglichen Entwicklungsprojekts und eine sehr fragile ökonomische Struktur der dadurch verarmten Region
wenig soziale Dienste und öffentliche Gesundheitsstrukturen (fehlen von Institutionen für höhere Bildung, Fehlen von Krankenhäusern, Orten für die Entwicklung von Handarbeit, Kulturräume und Jugendräume usw., wie es woanders existiert)
eine krasse Isolation seit dem Rifkrieg, was hauptsächlich durch Politiken für Verarmung und politische, ökonomische, soziale und kulturelle Marginalisierung charakterisiert ist

Um diese Situation anzugehen haben die Demonstranten ein Programm von gerechten und legitimen Forderungen entwickelt, als Antworten die zur Erholung vom katastrophalen Zustand und absolutem Elend in der die Region und das Volk heute sind führen kann. Diese Forderungen haben verschiedene Aspekte. Zusätzlich zu den Teilen der Sektoren des Sozialen, der öffentlichen Gesundheit, Kultur und Sprache, beinhalten sie:
1. Ein Teil zum Recht zu fordern:
das alle die für den Mord des Märtyrers Mohsen FIKRI verantwortlich sind verurteilt werden
dass eine Anstrengung gemacht wird dass solche Verbrechen in der Zukunft nicht wiederholt werden
dass die ganze Wahrheit über den Mord an den fünf Jugendlichen die am 20. Februar 2011 lebendig verbrannten herauskommt
1. 2. ein legislativer Teil der fordert:
das Dekret für nichtig erklären, dass die Region El Hoceima als militärisches Ausnahmegebiet betrachtet, was durch eine klare und dauerhafte Militärführung geregelt wird
die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Wiederherstellung aller ihrer Rechte
1. 3. ein ökonomischer Teil der fordert:
dass alle Politiken der Marginalisierung und ökonomischen Isolation der Region gestoppt werden sollen und dass auf diesem Weg die Regierung Marokkos die Hartnäckigkeit beendet, weil das Rif durch den Geist der Vergeltung von jeder Entwicklung in den ökonomischen Sektoren ausgeschlossen wurde und so vollständig von den anderen Regionen Marokkos für seine Versorgung abhängt

Heute, in dieser Bewegung von zunehmenden Kampf der in allen Regionen der Rif weitergeht, trotz der massiven Entsendung von Militärbataillonen, trotz der Einkreisung der Region von allen Formen der Polizei, trotz harter Repression und massiven Festnahmen.

Die Reaktion des Volkes und der Demonstranten zeigte das Gegenteil des damit bezweckten, mit der Zuname von Demonstrationen im Rif und der Ausweitung dieses Aufstandes in alle Regionen von Marokko, in mehr als 50 Städten im Land wurden Demonstrationen organisiert um zu unterstützen und die Repression der marokkanischen Regierung zu denunzieren.


Muntasser Elkhatabi
In Rabat am 31 Mai 2017 verfasst

Text aus dem Arabischen übersetzt durch das Aktions- und Unterstützungskomitee der Kämpfe der marokkanischen Völker

    Geschrieben von dame          
    06. Juni 201