
Wir teilen voller Freude einen Bericht von RedHerald:
Der Kongress zur Rekonstitution der Kommunistischen Jugend fand am Wochenende zwischen dem 3.und die 6. April statt und bestand aus zwei Teilen: einem internen Teil, in dem Delegierte aus jeder Stadt an Diskussionen über Änderungen der Gründungsdokumente der Kommunistischen Jugend teilnahmen, und einer offenen Veranstaltung für alle Mitglieder und Freunde mit Diskussionen, Reden, einer Filmvorführung, Liedern, Essen und Festlichkeiten.
Der Verband Junger Kommunisten in Frankreich (FJCF), auch bekannt als Kommunistische Jugend, wurde 1920 gegründet und veranstaltete zwischen 1921 und 1945 elf Kongresse, wobei der letzte und elfte im Jahr 1920 stattfand.Der Kongress im Jahr 1945 besiegelte die Auflösung der Organisation. Dieser Kongress markiert somit den 12.Kongress der Kommunistischen Jugend.
Im Vorfeld des Kongresses hatten in Städten in ganz Frankreich lokale Vorbereitungstreffen ihre Vorschläge für Änderungen der Gründungsdokumente erarbeitet, die vom Nationalbüro vorgelegt worden waren. Delegierte aus dem ganzen Land waren zum Kongress angereist, um an den Debatten teilzunehmen. Jede Änderung wurde verlesen, und die Delegierten mussten ihre Position zu der jeweiligen Änderung darlegen. Anschließend wurde die Änderung in den Delegiertenversammlungen der einzelnen Städte diskutiert. Nach der Diskussion konnte jeder, der wollte, seine Meinung äußern. Danach wurde per Handzeichen abgestimmt: Enthaltung, Zustimmung oder Ablehnung der Änderung. Konnte keine Mehrheit erzielt werden, wurden die Diskussionen fortgesetzt, bis durch eine Mehrheitsentscheidung Einigkeit erreicht war.
An den internen Sitzungen des Kongresses nahmen auch Mitglieder und andere Kräfte teil, die sich nicht an der Debatte beteiligten, sowie internationale Delegationen, darunter das Komitee für die Rekonstitution der Kommunistischen Partei Korsikas, der Rote Bund aus Deutschland, die Rote Front Norwegen, die Revolutionäre Studentenunion und die Puget Sound Revolutionary Youth aus den USA.
Die zu erörternden Gründungsdokumente umfassten die Allgemeine Politische Linie, die Statuten und die Einheitspunkte. Die Delegierten trugen ihre Positionen mit Begeisterung vor, und es war deutlich, dass das Ziel jeder Delegation darin bestand, durch den Zwei-Linien-Kampf eine Einigung zu erzielen. Nach zwei langen Tagen der Debatte und zahlreichen Diskussionen über verschiedenste Themen wurde am Morgen des 5. April schließlich Einigkeit erreicht.
Anschließend wurde das Nationale Komitee der Kommunistischen Jugend durch anonyme Wahl der anwesenden Delegierten gewählt. Damit war der interne Teil des Kongresses abgeschlossen und nach 81 Jahren die lang ersehnte Rekonstitution der Kommunistischen Jugend Frankreichs vollzogen.
Dieses denkwürdige Ereignis wurde vom für die Debatte zuständigen Tribunal gewürdigt und beglückwünscht, und es gab stehende Ovation, woraufhin die Internationale von allen Anwesenden enthusiastisch gesungen wurde.
Damit wurde der öffentliche Teil des Kongresses eröffnet, und 600 Menschen strömten in den Césure-Saal in Paris und füllten den Hörsaal bis zum Rand. An den Wänden hingen Porträts von Helden der proletarischen Jugend Frankreichs, darunter Guy Moquet, Danielle Casanova, Colonel Fabien und Gilles Tautin.
Nach einer Eröffnungsrede, in der die Schlusserklärung des internen Kongresses öffentlich verlesen wurde, ergriffen zahlreiche Organisationen das Wort. Sie betonten die Bedeutung der Rekonstitution der Kommunistischen Jugend. Es wurde ein Grußwort der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) verlesen, gefolgt von einem Grußwort der Kommunistischen Partei Indiens (Maoistisch), das großen Beifall und Erstaunen auslöste und von begeisterten Parolen begleitet wurde.
Ein Veranstaltungssaal wurde ebenfalls für die Öffentlichkeit geöffnet und mit Ständen verschiedener Organisationen gefüllt, darunter die Fédération Syndicale Étudiante (FSE), das Komitee zur Rekonstitution der Kommunistischen Partei Korsikas, Daughters of the Commune Publishing House, „La Cause du Peuple“ und viele andere. Dort wurden allerlei politisches Material angeboten, darunter revolutionäre Literatur, Plakate, Aufkleber und Kleidung. Es gab sogar ein eigens für die Veranstaltung entwickeltes Arcade-Spiel.
Den ganzen Tag über fanden Gesprächsrunden statt, an denen verschiedene eingeladene Organisationen gemeinsam mit der Kommunistischen Jugend teilnahmen, um Ideen auszutauschen und zu diskutieren. Eine dieser Gesprächsrunden befasste sich mit folgenden Fragen: Was ist Antiimperialismus? Wie steht es heute um den französischen Imperialismus? Welche Aufgaben und welche Rolle haben Revolutionäre in den imperialistischen Zentren? Nach den Positionen der verschiedenen Organisationen wurden Fragen aus dem Publikum entgegengenommen, die sich rege beteiligten und so die Diskussionen bereicherten.
Den Abschluss des Tagesprogramms bildeten Reden der Internationalen Antiimperialistischen Liga (AIL) sowie der Roten Front Norwegen, im Anschluss daran fanden Feierlichkeiten statt, darunter Abendessen, musikalische Darbietungen, ein DJ-Pult und Tanz, um diesen bedeutsamen Anlass zu feiern.
Der letzte Kongresstag begann mit einer Erklärung des Roten Bundes aus Deutschland, der nach der Begrüßung der Neugründung der Kommunistischen Jugend hervorhob, dass zeitgleich mit diesem Kongress der Gründungskongress der AIL stattfand. Die Rede wurde mit begeisterten Rufen wie „Hoch die internationale Solidarität!“ begrüßt.
Die FSE hielt ebenfalls eine Rede, in der sie verkündete, dass der Name der Kommunistischen Jugend anlässlich dieser historischen Neugründung nie wieder in Verruf geraten werde. Sie spielte damit auf die Gründung der revisionistischen Französischen Kommunistischen Jugendbewegung (MJCF) im Jahr 1956 an. Die FSE betonte zudem die Bedeutung der Einheit und erklärte: „[…] wir können uns keine Zersplitterung, kein Zögern und keine Verweigerung der Debatte leisten. […] Einheit ist notwendiger denn je. Aber nicht irgendeine Einheit. Eine Einheit, die durch politische Auseinandersetzung, durch den Kampf um Prinzipien, durch Klärung entsteht. Eine Einheit, die die Trägheit jener Organisationen ablehnt, die lieber Debatten vermeiden, als sie zu lösen.“
Es wurde eine Grußbotschaft von Partizan verlesen und eine Rede der Plattform für die Einheit der Arbeiter und die Brüderlichkeit der Völker (BIR-KAR) der Türkei gehalten . Anschließend wurde der Dokumentarfilm über die Gelbwestenbewegung „Ein Land, das sich benimmt“ gezeigt. Nach dem Film eröffneten zwei Mitglieder der Kommunistischen Jugend, die an der Gelbwestenbewegung teilgenommen hatten, die Diskussion mit einer Erklärung: „Eine der wichtigsten Lehren, die wir heute daraus ziehen, ist die Weiterentwicklung der zentralen Frage nach den organisatorischen Bedürfnissen der Klasse für die Machtergreifung. Es geht um die Rekonstitution der Kommunistischen Partei in Frankreich.“
Ein Teilnehmer berichtete, wie er nach der Schule nach Hause kam und solche Aufnahmen von Polizeibrutalität gegenüber Menschen sah, und wie unnatürlich es sei, dass er im Alter von 15 Jahren die Namen der Waffen kannte, mit denen die Polizei auf Demonstranten schoss. Er hob hervor, dass Aufnahmen offener Polizeirepression wie diese ihn in seiner Jugend radikalisiert hätten.
Die letzte Rednerin des Kongresses, Ehrengast und Nichte der Kommunistin Danielle Casanova, Isaline Choury, sprach über das Leben ihrer Tante, wie diese vor dem Krieg der Kommunistischen Jugend beigetreten war und wie sie die treibende Kraft und Organisatorin des Französischen Frauenjugendverbandes (UJFF) sowie der Frauenkomitees der Résistance war. Sie berichtete auch, wie Danielle die Gefangenen in Auschwitz politisch organisierte, wohin sie als eine von 230 kommunistischen Frauen deportiert wurde, da sie aufgrund ihrer politischen Aktivitäten von den Nazi-Behörden als „zu gefährlich“ eingestuft wurde.
Ein bewegender Auszug aus ihrem letzten Brief vor ihrer Deportation nach Auschwitz wurde verlesen. Er unterstrich ihren unerschütterlichen Geist und ihre Hingabe an den kommunistischen Kampf: „Ich kenne Leid, aber keine Traurigkeit, und ich finde das Leben so großartig und so schön. […] Wir sind stolz darauf, Franzosen und Kommunisten zu sein. Wir werden niemals den Kopf beugen. Wir leben nur für den Kampf. Die Zeiten, in denen wir leben, sind großartig. Ich verabschiede mich. Ich umarme alle, die ich liebe. Lasst euer Herz niemals schmerzen, wenn ihr an mich denkt. Ich bin glücklich, dass ich niemals gewankt habe und dass ich ungestümes und jugendliches Blut in meinen Adern spüre. Unser schönes Frankreich wird frei sein, und unser Ideal wird siegen.“
Isaline berichtete auch von ihren eigenen Erfahrungen als Aktivistin bei der Freedom Flotilla for Palestine und wie sie in internationalen Gewässern entführt und vom Staat Israel gefoltert wurde. Sie betonte, dass die Folter ihren Willen nicht gebrochen, sondern im Gegenteil ihren Entschluss als Aktivistin und ihre Unterstützung für die palästinensische Sache noch bestärkt habe.
Sie schloss ihre Rede mit einem Gruß an die Rekonstitution der Kommunistischen Jugend und sagte, dass Danielle Casanova, wenn sie heute hier wäre, sehr getröstet wäre. Sie bekräftigte die Notwendigkeit, das Volk zu organisieren und zu mobilisieren, und schloss mit der Aussage: „Wir werden niemals den Kopf senken; wir leben nur für den Kampf!“
Nach einem sehr erfolgreichen Abschluss des ereignisreichen 12. Kongress der Kommunistischen Jugend brach das Publikum in Applaus und den Slogan „Unsere Helden sind unsterblich – lasst uns erneut aufbrechen, um den Himmel zu stürmen!“ aus. Zum Abschluss des Kongresses versammelten sich alle Anwesenden für ein Gruppenfoto auf der Bühne, vor denen ein Banner gegen die Operation Kagaar prangte, während die Warschawjanka, die Hymne der Komintern, und schließlich die Internationale mit großer Inbrunst von allen Anwesenden gesungen wurden.
Zweifellos ist der Entwicklungsstand der revolutionären Jugendbewegung in Frankreich sowohl quantitativ als auch qualitativ beeindruckend. Er verdeutlicht, wie der Kampf um die Politisierung und Mobilisierung der potenziellen Kräfte der Revolution sprunghaft voranschreitet. Vor einigen Jahren hätte man die Teilnehmerzahl eines maoistischen Jugendtreffens in Frankreich kaum auf einige Dutzend zählen können; auf dem Kongress, über den wir hier berichten, waren es Hunderte. Ein Beweis dafür, dass die Führer der neuen Generation revolutionärer Kämpfer in Frankreich Potenzial in Realität umsetzen konnten. Sie haben nun eine neue Organisationsform geschaffen, und wir freuen uns darauf, über die weiteren Fortschritte zu berichten, die dies mit sich bringen wird.
