Dienstag, 16. August 2011

Interview des Vorsitzenden Gonzalo

Der Vorsitzende Gonzalo gab ein Interview in 1988 mit dem Zweck den Ersten Parteitag zu popularisieren. Das Dokument hat eine Einleitung und fünf Kapiteln. Das zweite Kapitel heißt „Über die Partei“. Wir haben letztes Jahr drei Abschnitte in April (über den Entwicklungsprozess und Wiederaufbau der Partei, den Volkskrieg, die Beteiligung der Massen in die Volksbefreiungsarmee - damals Guerrilla-Volksarmee -, die Entwicklung der Neuen Macht, die Rolle von José Carlos Mariátegui) und einen Abschnitt in Juni (die Bedeutung von Führerschaft gegen die revisionistische These des Personenkults) veröffentlicht. Heute machen wir weiter mit einer wichtigen Frage.


EL DIARIO: Welche Bedeutung hat für Sie und Ihre Partei der 1. Parteitag der Kommunistischen Partei Perus ?

VORSITZENDER GONZALO: Da wir auf dieses Thema zurückkommen, möchte ich einige Dinge dazu erläutern. Ich wiederhole, dass wir dieses Ereignis als einen Meilenstein auf dem Weg zum Sieg betrachten. Damit haben wir eine längst überfällige Aufgabe erfüllt, die bereits der Gründer unserer Partei festgelegt hatte. Wir haben den 1. Parteitag der PCP durchgeführt. Warum sage ich das? Wir behaupten, dass keiner der vier Parteitage, die bis zum Jahre 1962 stattgefunden haben - eine Zeit, in der wir noch innerhalb der damaligen Partei arbeiteten - als marxistisch bezeichnet werden kann. Keiner von ihnen stand im Zeichen der Weltanschauung des Proletariats. Im Gegensatz dazu ist unser Parteitag ein marxistischer Parteitag, um es noch einmal zu betonen. Doch in Anbetracht der historischen Etappe, in der wir uns befinden, ist es ein marxistisch-leninistisch-maoistischer Parteitag, denn der Maoismus ist die dritte, neue und höchste Etappe des Marxismus und letztendlich die wichtigste, die hauptsächliche der drei. Daneben steht der Parteitag auch im Zeichen der Gonzalo Gedanken, denn er stützt sich auf die darin enthaltenen Ideen, die aus der Anwendung der universellen Gesetze des Marxismus-Leninismus-Maoismus auf unserer konkrete Realität hervorgegangen sind. Folglich handelt es sich um "einen marxistischen Parteitag, einen Parteitag, der im Zeichen des Marxismus-Leninismus-Maoismus und der Gonzalo Gedanken steht".

Dieser Parteitag hat uns erlaubt, eine Bilanz des gesamten bisher durchlaufenen Prozesses zu erstellen und negative und positive Lehren daraus zu ziehen. Er hat uns die Verabschiedung der einheitlichen ideologischen und politischen Basis der Partei mit ihren drei Elementen ermöglicht: 1. die Ideologie, der Marxismus-Leninismus-Maoismus und die Gonzalo Gedanken; 2. das Programm; 3. die politische Generallinie mit der Militärlinie als Zentrum. Der Parteitag hat außerdem solide Grundlagen für die zukünftige Eroberung der Macht geschaffen, wobei die Betonung auf zukünftig liegt.

Diesen Parteitag konnten wir erst inmitten des Volkskrieges realisieren, und das sage ich deshalb, weil wir schon 1967 vorschlugen, den fünften Parteitag durchzuführen, und 1976 planten, einen Parteitag zum Wiederaufbau der Partei abzuhalten. Wir unternahmen über Jahre verschiedene Anläufe, konnten ihn jedoch nie realisieren. Warum? Es zeigte sich das, was man auch bei anderen Parteien beobachtet. Wenn sie sich darauf vorbereiten, den bewaffneten Kampf zu beginnen, zu den Waffen zu greifen, verstricken sie sich in interne Kämpfe, die zu Spaltungen und Brüchen führen und verhindern, dass die Eroberung der Macht mit der Waffe in der Hand in Angriff genommen wird. Diese Erkenntnis bewegte uns 1978 dazu, den Parteitag zu verschieben, um ihn inmitten des Volkskrieges durchzuführen. Unsere Überlegung war schlicht und einfach: Wer würde sich dem Volkskrieg widersetzen, wenn wir bereits mitten im Krieg ständen? Wie könnte sich jemand auf einem Parteitag dem Volkskrieg widersetzen, wenn sich die Partei mit der Waffe in der Hand inmitten eines erfolgreichen Volkskrieges befände? Die Gegner des Volkskrieges hätten keinerlei Möglichkeit mehr, Schaden anzurichten.

Der Parteitag hat noch eine Reihe von anderen Ergebnissen gebracht. Er hat zu einem besseren Verständnis des Entwicklungsprozesses des Volkskrieges und insbesondere der Notwendigkeit, die Machtergreifung aufzubauen, geführt. Außerdem haben wir auf dem Parteitag einen Entwicklungssprung im Zweilinienkampf vollzogen, und das ist sehr gut; das muss klar und deutlich gesagt werden, auch wenn einige das gegen uns auslegen werden, doch was soll's, wir sind Fehlinterpretationen von feindseligen, nicht revolutionären Elementen gewohnt. Auf dem Parteitag haben wir definiert, dass sich der Zweilinienkampf in der Partei gegen den Revisionismus als Hauptgefahr wendet.

Ich möchte das kurz erklären. In der Partei gibt es keine rechtsopportunistische Linie. Im Moment zeigen sich lediglich isolierte rechtsabweichlerische Verhaltensweisen, Ideen, Kriterien und Positionen. Doch auf dem Parteitag stießen wir bis zum Grund des Problems vor und gelangten zu der Schlussfolgerung, dass der Beschluss, den Revisionismus als Hauptgefahr zu bekämpfen, der beste Weg ist, um vorzubeugen und die Bildung einer rechtsopportunistischen Linie innerhalb der Partei, die zwangsläufig revisionistischen Charakter hätte, zu verhindern.

Der Vorsitzende Mao forderte, sich jederzeit vor dem Revisionismus in Acht zu nehmen, denn er ist die Hauptgefahr, der die Revolution weltweit gegenüber steht. Mit dieser Haltung stellen wir uns auch auf die Situation außerhalb unserer Reihen ein, denn alle Verhaltensweisen, Ideen, Kriterien und Positionen mit rechtsopportunistischem Ursprung, die sich in unserer Partei zeigen könnten, haben mit der ideologischen Dynamik zu tun, mit der Resonanz des Klassenkampfes, den Kampagnen des reaktionären Staates, dem Wirken des Revisionismus in unserem Land, der konterrevolutionären Aktion des Imperialismus, insbesondere dem Wettlauf der beiden Supermächte, und dem weltweiten Einfluss des Revisionismus. Auf diese Weise verabreicht uns die Partei eine Schutzimpfung, sie bereitet uns vor und erhöht unsere Wachsamkeit. Durch den entschlossenen und umsichtigen Zweilinienkampf im Schoße des Volkes können wir das Auftreten einer revisionistischen Linie verhindern, denn - ich wiederhole - es gibt keine rechtsopportunistische Linie. Ich weiß, dass diese Aussagen falsch interpretiert werden können, aber man muss die Dinge beim Namen nennen und sie dem Volk erklären. Wir sind durch den Parteitag gewappnet, der uns lehrt, uns vor dem Revisionismus zu hüten und ihn unerbittlich zu bekämpfen, wo er auch auftreten mag, angefangen damit, dass wir jede seiner Äußerungen, die sich in der Partei zeigen, bekämpfen und im Keim ersticken. Dadurch sind wir besser für den Kampf gegen den Revisionismus außerhalb unserer Reihen und weltweit gerüstet. Dies ist eine der wichtigsten Errungenschaften des Parteitages.

Der Parteitag hat uns einen großen Einmütigkeit gegeben, ja, Einmütigkeit, denn wir halten uns an Lenin, der sagte, damit eine Partei komplexe und schwierige Situationen meistern kann, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind, und mehr noch in entscheidenden Momenten, wie wir sie heute und in naher Zukunft erleben, braucht eine Partei Einmütigkeit. Wir müssen den internen Kampf entwickeln, um eine klar definierte Linie, ein einheitliches Verständnis und eine unverbrüchliche Einheit zu erlangen und mit gebündelten Kräften zuschlagen zu können. Das hat uns der Parteitag auch gegeben, Übereinstimmung, die wir jedoch - und das sage ich mit Nachdruck - durch den Zweilinienkampf erreicht haben. So gehen wir vor. Und warum? Ich wiederhole einmal mehr, die Partei ist ein Widerspruch und jeder Widerspruch besteht aus zwei sich bekämpfenden Aspekten, so ist es, und dem kann keiner entgehen.

Die Einheit unserer Partei ist heute stärker denn je, stärker im Hinblick auf die großen Aufgaben, die sie entschlossen und konsequent angehen muss. Betrachten wir die organisatorische Ebene, so hat der Parteitag das Zentralkomitee gewählt, und da es unser erster Parteitag war, haben wir jetzt unser erstes Zentralkomitee. All das hat der Parteitag uns gegeben, und er ist bekanntlich das oberste Gremium einer Partei, so dass alle seine Beschlüsse auf der höchsten organisatorischen Ebene festgeschrieben worden sind. Das alles gibt uns mehr Stärke, Einheit und Entschlossenheit. Einen Punkt möchte ich erneut unterstreichen. Der Parteitag ist ein Produkt der Partei und des Krieges. Ohne den Volkskrieg hätten wir diese historische Aufgabe, die schon seit fast 60 Jahren, seit der Gründung der Partei im Jahre 1928, anstand, nicht erfüllen können. Aber das Wichtigste ist, dass der Parteitag die Entwicklung des Volkskrieges potenziert; er gibt dem Volkskrieg ein vielfaches dessen zurück, was dieser zu seinem Zustandekommen beigetragen hat. Der Volkskrieg ist heute stärker und wird noch schneller anwachsen als bisher.

Aus all diesen Gründen ist der Parteitag für uns ein unvergänglicher Meilenstein auf dem Weg zum Sieg, und wir sind sicher, dass er als solcher in die Geschichte unserer Partei eingehen wird. Wir erwarten, dass er großartige Ergebnisse nach sich ziehen wird, die dem peruanischen Proletariat, dem Volk von Peru, dem internationalen Proletariat, den unterdrückten Nationen und den Völkern der Erde zugute kommen werden.